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1

Samstag, 8. Dezember 2018, 23:40

Zweiter Advent: Der hässliche Bahnhof

Moin, Jungs,

dieser hässliche Bahnhof – so hieß es oft, wenn in meiner Verwandtschaft das Gespräch auf den Wilhelmshavener Bahnhof kam. Mit Bahnhof war in diesem Fall das Empfangsgebäude gemeint und nicht der ganze uns so faszinierende Rest.

Ich habe das nie verstanden, warum das Bahnhofsgebäude hässlich sein sollte. Erst als ich schon zu H0-Zeiten anfing, mich mit dem Nachbau des Gebäudes zu beschäftigen, ging mir ein Licht auf.

Vor dem zweiten Weltkrieg war das Gebäude ein schickes, symmetrisches Bauwerk, und so hatte es meine ältere Verwandtschaft gekannt. Durch Kriegseinwirkung wurde das Gebäude arg beschädigt. Nach dem Krieg wurde dann nur der noch brauchbare Teil weiter genutzt und das Gebäude wurde dadurch eben hässlich. Im Bild 1 ist oben die mittels Photoshop ergänzte Straßenfront des Modells zu sehen, so wie diese ausgesehen hat. Darunter links das Modell mit der tatsächlichen Front, die Anbauten fehlen noch. Rechts ein Ausschnitt aus einer alten Postkarte mit Ansicht des Originals in der Epoche Drei.

Die Außenwände des Modellgebäudes standen als Grundgerüst schon seit 2014 auf der Anlage, und ich nahm sie nun Ende Januar 2018 mit nach Hause und legte sie auf den Basteltisch (Bild 2).

Ich hatteschon vor längerem mit Farben experimentiert und war zu dem Ergebnis gekommen,die Außenwände mit der bereits beim Bahnsteigdach verwendeten vanillegelbenFarbe zu bemalen. Die Farbe der Verzierungen und Streben sollte nach Tests eineockerfarbene Plaka­farbe sein, diese hatte ich auch schon an einigen Stellenaufgetragen.

Nachdem ich nun konkret mit dem Bau begann, erschien mir diese Farbe aber zu dunkel, also probierte ich nochmal neu mit zwei anderen Farben. Aber auch hier war ich noch nicht richtig zufrieden. Deswegen schaute ich nochmal im Baumarkt und fand schließlich eine Dispersi­onsfarbe mit der Bezeichnung „Honey“. Dieser honigartige Farbton schien auch im Vergleich mit den Vorbildfotos passend zu sein (Bild 3 und 4).

Zunächst erstellte ich aus einer Kunststoffplatte die Grundplatte für das Gebäude. Um die Außen­wände genau mit der Kante der Grundplatte abschließen zu las­sen, klebte ich im Abstand von drei Millimetern zum Rand einen etwa einen Zentimeter
hohen Streifen rund um die Plattenkan­ten. Ausgenommen wurden hier Bereiche mit Öffnungen für Türen oder Anbauten, die sepa­rat erstellt wurden.

Ich begann gleisseitig an der Ecke vorne rechts am Übergang zum Bahnsteig. Alle Wandteile und die bereits geschnittenen Kunststoffstreifen für die vorstehenden Simse und Pfeiler wur­den wieder mit Plastikprimer grundiert, damit die Farben besser halten würden.

Im unteren Geschoß waren Wände und Pfeiler zum Teil mit Fugen ver­sehen. Diese ritzte ich in den Kunst­stoff und malte sie mit einem angespitzten Bleistift grau aus, um sie besser sichtbar zu ma­chen.

Die Wände erhielten vor der Detaillierung mit Kreidepulver eine leichte Verschmutzung. Den umlaufenden Streifen unten an der Fassade hatte ich an der ersten Wand noch grau gestrichen, dann aber entschieden, alles in Revell Braun Nr. 83 anzumalen (Bild 5).

Die Verzierungen rund um die Fenster und Türen im Erdgeschoss wurden aus 0,3 mm dickem Polystyrol geschnit­ten, die Kanten vorm auf­kleben angemalt und die restliche Fläche im An­schluss daran (Bild 6).

Während ich bei meinem ersten Empfangsgebäude bei meiner Versuchsanlage in Troisdorf noch alle Fenster aus Polystyrolstreifen selber gebaut hatte, war mir dieser Aufwand bei der BoMo zu groß. Fast alle Fenster hatte ich daher schon 2014 bei der Modellbau Werkstatt Bertram Heyn in Göttingen fertigen lassen und nun konnte ich sie endlich ihrer Verwendung zuführen.

Bevor sie an ihre Positionen ge­klebt wurden, wurden sie mit matter weißer Revellfarbe angestrichen. Die Tür und die beiden mittleren Fenster auf Bild 7 sind allerdings Eigenbauten.

Aus einem Millimeter dickem Polystyrol schnitt ich fünf Millimeter breite Streifen, daraus entstanden die Fensterbänke, die ebenfalls mit Revell Nr. 83 angemalt wurden.

Nachdem auch die gleisseitige Giebel­wand äußerlich fertig gestellt war, wollte ich diese ersten drei Wandteile auf der Bodenplatte befesti­gen. Dazu war aber der Aufbau der inne­ren Wandteile nötig.

Aus weißer hartgeschäumter Kunststoffplatte wurden die Wandteile ausgeschnitten und mit den entsprechenden Öffnungen für Fenster beziehungsweise Türen versehen. Bei der ersten Wand wurden noch um die Fenster einen Millimeter dicke
Polystyrolstreifen geklebt, um auf die Stärke der „Zwischenwand“ zu kommen. Hier waren nämlich aus Resten der drei Millimeter dicken Kunststoffplatten Stücke aufgeklebt worden, und darauf sollte die Innenwand aufge­klebt werden Bild_8.

Das ganze diente zum einen dazu, dem Betrachter von außen eine gewisse Wandstärke sicht­bar zu machen, hauptsächlich aber der Stabilität der Wand.

Zwischen Außen- und Innenwand war also ein Abstand von drei Millimetern, und im Boden­bereich hatte ich natürlich soviel Platz zum ersten Zwischenstück gelassen, dass die Wände auf die Streifen auf der Bo­denplatte aufgeschoben und verklebt werden konnten.

Bei den anderen Wänden hatte ich die Fensteröffnun­gen cirka vier Millimeter breiter ausgeschnitten und dann rundherum zurecht geschnittene, fünf Milli­meter breite Streifen Kunst­stoff eingeklebt, das er­schien mir einfacher von der Bearbeitung.

An der Ecke, wo von außen der Blick ins Innere und damit auf ein anderes Fenster möglich war, hatte ich die breiten Fensterver­strebungen einfach nur mit Papierstreifen beklebt, um ein wenig Plastizität zu si­mulieren. Auch die In­nenwand wurde
hier einfach nur mit Papier be­klebt, um die sichtba­ren Spal­ten zwischen Innen­wand und den Strei­fen um die Fenster zu verde­cken (Bild 9).

Die gleisseitige Gie­belwand war etwas aufwändiger bei der Gestaltung. Neben den Verzierungen um die Öffnungen im Erdge­schoss und den Mauer­vorsprüngen wurden hier die ersten runden Fassadenverzierungen um die kleinen Bogen­fenster
angebracht. Für diese Verzierungen hatte ich schon vor längerer Zeit aus Polystyrol ein Urmodel gebaut und dann mit Latex eine Negativform erstellt, um darin mit Stewalin die benötigte Menge der Verzierungen zu gießen.

Die Doppeltür wurde nach Vor­bildfoto selber gebaut, wobei das Fensterteil dar­über aus einem der gro­ßen Bogenfenster zurecht geschnitten und verwendet wurde, das war bei der Bestellung der Fenster schon so geplant gewesen. Auf Bild 10 sieht man auch wieder etwas von der Asymmetrie. Warum ist das Fenster rechts oben schmaler als das linke Fenster?

Bei der anschlie­ßen­den langen Wand war ebenfalls noch eine Türkombination selber zu bauen, und zwar die Zu­gangstüren aus dem Empfangsgebäude zum Bahnsteig. Die Türen blieben unbeweglich und wurden aus Polystyrol in einem Stück gebaut (Bild 11). Auf der Innenseite wurden Drahtgriffe angebracht (siehe auch Bild 14 unten).

Der Bereich links vom Türportal auf Bild 12 blieb unbearbeitet, hier kommt ein Anbau hin. Das die letzten drei Fenster keine Verzierung erhalten haben, entspricht durchaus dem Vorbild.

An dieser Stelle mal eine Anmerkung zu meiner Testperson, die ja schon öfters auch zu sehen war und auch auf dem Bild oben erscheint als Maßstabtester. Ich hatte diese Person irgend­wann einmal willkürlich aus dem Kästchen mit den Figuren heraus genommen.

Beim lesen des sehr empfehlenswerten Buchs über die Braunlage-Andreasberger Eisenbahn von Otto O. Kurbjuweit, in dem OOK auch davon schreibt, das sich er und seine Mitstreiter während des Anlagenaufbaus lange Zeit in Geduld üben musste, bis endlich Betrieb gemacht werden konnte, wurde mir bewusst, das ich diese Figur nicht zufällig gezogen hatte. Der Mann steht da und schaut auf die Uhr, so, als ob er auf den Zug wartet. Falsch! Der steht da, um ungeduldig zu fragen, wann
geht’s denn endlich mit dem Betrieb los? Und nachdem die­ser Punkt abgehakt ist, schaut er jetzt auf die Uhr und fragt: Wann ist das Gebäude endlich fertig?!

Auch straßenseitig mussten um die Bogenfenster Verzierungen angebracht werden. Allerdings waren die Fenster hier dichter beieinander, so dass die beiden zueinander liegenden Seiten der Verzierungen pas­send gekürzt wurden. Der Übergang zwischen zwei Ver­zierungen wurde mit Holz­spachtel verputzt (Bild 13 und 14). Dort in Bild 14, wo die Mauerverstrebungen aufhören, kommt wieder ein Anbau ran, daher auch die Öffnungen darunter.

Am ersten Mai 2018 war die Front mit den Bogenfenstern an der Straßenseite fertig (Bild 15). Ralph hatte mir inzwischen netter weise eine Damenuhr besorgt, die einer Bahnhofsuhr entsprach. Ralph als Uhrmacher hatte keine Probleme damit, das Ding für mich aufzumachen, so dass ich auf dem Ziffernblatt noch ein DB-Decail anbringen konnte.

Die die Normalzeit anzeigende Uhr passte genau in die von mir bereits vor ganz langer Zeit geschaffene Öffnung. Damit die Uhr entnommen werden konnte, zum Beispiel, um eine neue Batterie einzusetzen, wurde nun die finale Halterung gebastelt (Bild 16 zeigt von oben links nach unten rechts das Einlegen der Uhr).

Als nächstes wurde jetzt zuerst die Wand des Anbaus aufgebaut. Dies ging relativ schnell, da hier keine großartigen Verzierungen anzubringen waren (Bild 17). Die verwen­deten Fenster waren übrigens Bogenfenster, nur waren die Bö­gen nicht sichtbar.

Auch die letzten beiden Wände waren ohne viel Aufwand zu erstellen. Zwei Wände? Ja, denn neben dem Abschluss der Au­ßenseite wurde auch eine Zwi­schen­wand im wahrsten Sinne des Wortes eingeschoben, denn schon beim Aufbau der Au­ßen­wände war dies berück­sichtigt und entsprechende Nuten vor­gesehen worden (Bild 18 und 19). Im Bild 19 wird auch nochmal die unsymmetrische Gebäudegestalt deutlich.

Das Hauptgebäude war damit erstmal fertig und wurde in Borken auf die Anlage gestellt (Bild 20). Dies war für die weitere Vorberei­tung der An­bauten not­wendig.

2019 geht’s dann weiter mit dem Dach und den Anbauten, da wisst ihr schon mal, worüber ich dann im nächsten Jahr berichten werde.

Gruß und einen schönen 2. Advent

Der Michel
»michel« hat folgende Bilder angehängt:
  • 1 Vergleich.jpg
  • 2 30.1.18.JPG
  • 3 6.2.18.JPG
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  • 5 10.2.18.JPG
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  • 7 20.2.18.JPG
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  • 11 6.4.18.JPG
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  • 14 21.4.18.JPG
  • 15 1.5.18.JPG
  • 16 22.4.18.JPG
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  • 18 1.5.18.JPG
  • 19 1.5.18.JPG
  • 20 12.6.18.JPG

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Mittwoch, 12. Dezember 2018, 17:47

Hi Michel,

ich finde ihn sehr schön, auch im Original! Einzig die Farbe wäre nicht mein Ding (stehe ja eher auf Ziegelmauerwerk), aber ist ja vorbildgetreu.

Viel Spaß noch beim weiteren Bau deiner schönen Anlage...

Gruß Andreas (der Dich immer wieder positiv um deinen Platz beneidet)

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Donnerstag, 13. Dezember 2018, 21:29

Moin, Andreas,

das Gebäude wurde 1952 "renoviert". Die verwendete Farbe ist auch irgendwo als Standardfarbe für die Emfpangsgebäude bei der Deutschen Bundesbahn geführt worden, ich hab da mal was drüber gelesen, kanns aber im Moment nicht wiederfinden. Backsteine wären mir auch lieber, aber das war halt vor 1952.

Da wir beide ja die Einzigen sind, die eine Schotterbettdrehscheibe haben :D anbei dazu ein Scan aus Band 143 "Betriebsmaschinentechnische Anlagen für Dampflokomotiven" aus der Eisenbahn-Lehrbücherei der Deutschen Bundesbahn, welches mir der liebe Uli Geiger aus seinem Bestand überlassen hat.

Viele Grüße

Michel
»michel« hat folgendes Bild angehängt:
  • Schotterbettdrehscheibe.jpg

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Gestern, 21:42

Hi Michel,

diesen Band habe ich natürlich auch im Bestand und schon ausgiebig nutzen können.

So langsam erblicke ich auch Licht am Ende des Tunnels, denn ich habe wieder Platz für die Spur 1 und werde das Thema BW wieder in den Mittelpunkt stellen. Die Planungen laufen schon, wenngleich ich platztechnisch von deinen Möglichkeiten nur träumen kann.

Richte mir den Raum schon her. Und dann wird auch endlich die „heimgekehrte“ Schotterbetttdrehscheibe endlich ihren Frieden finden, sprich eingebaut werden.

Aber etwas Zeit brauche ich nocnoch...

Gruß und ein schönes 3. Adventwochenende

Andreas

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